| News | Newsletter | Einsätze | Feuerwehr-Markt | Fahrzeug-Markt | Fahrzeuge | Industrie-News | BOS-Firmen | TV-Tipps | Job-Börse |
| Rubrik | Taktik | zurück | ||
| Thema | 'Falsche Taktik-Große Schäden'-hat d. Buch das eig. Handeln verändert? | 9 Beiträge | ||
| Autor | Ulri8ch 8C., Düsseldorf / NRW | 598176 | ||
| Datum | 22.12.2009 09:47 MSG-Nr: [ 598176 ] | 6794 x gelesen | ||
| Infos: | ||||
Geschrieben von Florian Besch Als eine der ersten Maßnahmen hatte ich damals meine Holzkeile eingemottet. ist aber plakativer Unsinn, weils viele Bereiche gibt, wo die unverzichtbar sind (auch um einen selbst zu schützen), vgl. den entsprechenden Aufsatz von J. Mäschle und mir zu Methoden Türen offenzuhalten...: Das Buch von Dr. Pulm ist sehr gut, aber es ist halt auch sehr plakativ, die notwendigen Transferleistungen auf die Realität muss jeder selbst erbringen! Feststellen von Türen im Einsatz- oder sind Keile sinnvolles Zubehör zur PSA für den Innenangriff oder evtl. sogar eine unnötige Gefährdung für die FA? Einleitung In den letzten Jahren wird vermehrt über die Notwendigkeit bzw. Sinnhaftigkeit von Zusatzausrüstung für den FA diskutiert. „Befeuert“ wird die Diskussion durch unsachgemäßem Umgang mit zur Verfügung gestellter PSA (z.B. in dem Baumarkttaschenlampen mit eigens gebohrten Löchern an Helmen befestigt wurden) auf der einen (unseres Erachtens ebenso falschen wie sehr seltenen) und einer teilweise übertriebenen Richtliniendiskussion auf der anderen Seite, die den Einsatz erschweren bis unmöglichen machen kann. Für die meisten Dinge die durch FA mitgeführt werden (wollen) gibt es durchaus sachliche Gründe – freiwillig wird auch kaum einer mehr als nötig mitschleppen wollen. Dieser Beitrag beschäftigt sich v.a. mit Hilfsmitteln zum Feststellen von Türen. Zur Vertiefung verweisen wir z.B. auf die Literatur im Anhang. Taktischer Hintergrund Im Brandeinsatz – aber nicht nur dort - besteht häufig die Notwendigkeit, Türen – bzw. ggf. auch Fenster - nicht nur zu öffnen (vgl. MAESCHLE, 2001), sondern ganz oder teilweise geöffnet zu halten. Die Gründe dafür liegen in folgenden taktischen Anforderungen: - Sichern von Schlauchleitungen: Damit soll verhindert werden, dass eine sich schließende Tür (z.B. selbstschließende Brandschutztür) den ggf. noch nicht gefüllten, oder im Zuge der Einsatzmaßnahmen ggf. auch kurzzeitig druckreduzierten oder gar drucklosen Schlauch zusammen drückt und damit die Wasserförderung dadurch unterbindet oder erschwert. (So passiert z.B. während des Flughafenbrandes in Düsseldorf!) - Sichern von (Angriffs- bzw.) Rückzugswegen Damit soll verhindert werden, dass z.B. beim Durchsuchen von (ggf. auch nicht verrauchten) Räumen, Türen ins Schloss fallen. - Bessere Möglichkeit, Schläuche nachziehen zu können, weil damit die Tür über Kupplungsweite aufgehalten werden kann. - Taktische Ventilation: Sie verlangt zwingend, Türen in geöffnetem Zustand feststellen zu können. Auch im Rettungsdienst- oder Hilfeleistungseinsatz kann es sinnvoll oder sogar zwingend notwendig sein, Türen offen zu halten, weil jeder FA bzw. RettAss nur 2 Hände hat und ein Rettungsdienst-Team aus selten mehr als 2 Mitarbeitern besteht. Müssen z.B. Tragen, Krankentransport-„Stühlchen“ oder sonstige Hilfsmittel ohne weitere Unterstützung durch Flure mit selbstschließenden Türen getragen werden, geht dies nur, wenn diese vorher geöffnet und fest gestellt worden sind. Jede Tür, die zu fallen kann, dadurch Einsatzmaßnahmen behindert oder gefährdet und die nicht baulich sicher arretiert werden kann, muss mit geeigneten Mitteln offen gehalten werden. Jede Tür, die nicht zwingend offen gehalten werden muss, sollte als Sicherheitsmaßnahme gegen potentielle Ausbreitung geschlossen bleiben. Türen zu Flucht- und Rettungswegen dürfen nur nach entsprechender Erkundung und Einsatzplanung (Angriffsweg vs ggf. Rettungsweg, taktische Ventilation etc.) offen gehalten werden. Ggf. ist der Einsatz eines oder mehrerer mobiler Rauchverschlüsse (vgl. REICK, 2006) sinnvoll oder sogar notwendig. Aus diesen Aufgabenstellungen ergeben sich die wichtigsten Anforderungen an eine offengestellte Tür: - Die Arretierung muss ausreichend Kräfte aufnehmen zu können, um die Tür unter den zu erwartenden Bedingungen sicher in der vorgesehenen Position zu halten! - Sie muss durch Einsatzkräfte auch ohne spezielle Hilfsmittel einzubringen und wieder zu entfernen sein. - Sie sollte nicht zusätzlich unnötige Schäden am Bauwerk oder dessen Bauteilen verursachen. (Dies ist v.a. für nicht vom Brand betroffene Bereiche wichtig.) - Sie muss durch die Einsatzkräfte neben der umfangreichen sonstigen Ausrüstung leicht mitgeführt werden können. Um dieses Ergebnis zu erzielen gibt es verschiedene Lösungsansätze. Um einen strukturierten Überblick zu erhalten, werden die folgenden Kategorien eingeteilt und diskutiert: • Vorrichtungen zum Unterkeilen des Türblattes • Vorrichtungen zur Anwendung an der Schlossseite / Hauptschließkante • Vorrichtungen zur Anwendung an der Scharnierseite / Nebenschließkante • Sonstige Arretierungsmethoden • Anwenden baulich vorhandener Vorrichtungen Vorrichtungen zum Unterkeilen des Türblattes Abb. 1: Verschiedene zum Unterkeilen geeignete Hilfsmittel: Unterlegsatz, Standardkeil, zweiseitiger Keil, Mehrzweck-Kupplungsschlüssel. (Foto: Mäschle) Einfacher Türkeil Der einfache Keil aus Hartholz oder auch nur aus einer Dachlatte angefertigt ist das klassische Mittel, um Türen festzustellen. Er ist zuverlässig, leicht anzuwenden und zu transportieren und nicht zuletzt preiswert herzustellen. Anwendungstipp: Keil nicht unter das Türblatt treten, sondern vor die Tür legen, mit dem Fuß gegen Wegrutschen sichern und dann das Türblatt auf den Keil ziehen. Dadurch kann der Keil jederzeit auch wieder schnell entfernt werden, indem mit einem Fuß auf den herausragenden Teil des Keiles getreten und gleichzeitig das Türblatt zurückgedrückt wird. Zweiseitiger Keil Der zweiseitige Keil bietet theoretisch die Möglichkeit, durch eine zweite eingeschnittene Steigung eine höhere Anwendungsbreite von Spaltmaßen abdecken zu können. In der Praxis hat er sich allerdings wenig bewährt, da zum Aufbrechen von Türen der aus einer Dachlatte angefertigte Standardkeil mit rechteckigem Ende besser im Türspalt sitzt: Ein Rechteck sitzt eingeklemmt zwischen den zwei parallelen Flächen des Türspalts besser als die Diagonale eines Keils. Unterlegsatz Der Unterlegsatz ist die Weiterentwicklung des Standardkeils als Hilfsmittel zum Offenhalten von Türen. Drei Holzplättchen mit den Abmessungen von 40 x 100 mm bei ca. 5, 10 und 20 mm Stärke ermöglichen mit zwei Sätzen das Offenhalten verschieden starker Türspalte und können auch als Widerlager zum Aufbrechen eingesetzt werden. Durch trickreiches Anwenden des Plättchensatzes können ebenfalls Türen damit unterkeilt werden. Abb. 2: Unterkeilen mit dem Plättchensatz (Foto: Mäschle) Bewertung der verschiedenen Materialien Holz ist nach wie vor das bewährteste Material für Türkeile und Plättchensätze. Es ist preiswert und auch leicht selbst zu bearbeiten. Gummikeile sollen zwar besser auf glatten Böden haften, lassen sich aber schwer einsetzen und können ähnlich wie Kunststoffkeile aus dem falschen Material schon bei recht geringen Temperaturen (ab ca. 80 °C) weich werden bzw. schmelzen und dadurch versagen. Metall ist schwer, hat i.d.R. glatte Oberflächen und ruft unangenehme Klappergeräusche beim Transport in der Tasche hervor und ist deshalb auch wenig geeignet. Anmerkungen zum Üben des Unterkeilens: Zu Übungszwecken sollten neue Feuerschutztüren nur äußerst vorsichtig unterkeilt werden, da ansonsten die sich absenkende Rauchschutz-Dichtleiste beschädigt oder zerstört werden kann. Vorrichtungen zur Anwendung an der Schlossseite / Schließkante Klammern und Zangen Einfache Leimzwingen oder eine Gripzange bzw. Schweißerklammer/-zange verhindern an der Schlossseite aufgesetzt, dass eine geöffnete Tür zufallen (Fallriegel) kann. Gummibänder, Seile und Schlingen Derartige Hilfsmittel können, wenn sie ausreichend dick mittels Knauf / Klinke über das Schloss gespannt werden, ebenfalls verhindern, dass eine Tür ins Schloss fällt. Kunststoffrohre oder Schlauchstücke Kurze Stücke von Kunststoff-Sanitärrohren (die orangene Farbgebung ist unter eingeschränkter Sicht besser zu erkennen als die graue) oder Schläuchen, die mit einem Längsschnitt versehen worden sind können über das Schloss oder eine Türseite „geclipst“ werden und verhindern so ebenfalls das Zufallen einer Tür. In den Niederlanden wird dies ausgebildet und sogar vermarktet, z.B. hierüber http://www.total-safety.nl. Ausserdem werden diese „Türclipse“ auch dazu benutzt, um die Lage zu kennzeichnen, vgl. die o.a. Website „1-2-3-Techniek“. (Hinweis: Die Autoren sehen dieses Verfahren mehr als kritisch, weil es zur Kennzeichnung von durchsuchten Räumen bzw. Wegen weit bessere Methoden gibt, vgl. Abb. 11 bzw. CIMOLINO, 1999/2004 und die schlichte Kennzeichnung einer dann auch noch durch den Clip offen gehaltenen Tür mit dahinter liegendem aktiven Feuer lebensgefährlich sein kann, wenn man daran dann vorbei geht.) Abb. 3: Aufgeschnittener Schlauch verhindert das Einschnappen der Türfalle. (Foto: Mäschle) Klebeband Auch mit Klebeband können die Riegel einer Tür blockiert werden, um diese am Zufallen zu hindern. Dieses Verfahren ist aber im Brandeinsatz nicht sinnvoll, da sich Klebeband nur sehr schwierig und zeitaufwändig mit Handschuhen aufbringen lässt und spätestens auf einem verrußten Türblatt keinen zuverlässigen Halt erzielt. Außerdem reichen relativ geringe Temperaturen aus, das Klebeband stark zu schwächen bzw. den Kleber zu lösen. Festbinden des Türblattes Eine Leine (oder Seilschlauchhalter, Riemen des Feuerwehrleinenbeutels oder auch Bandschlinge) an Klinke oder Knauf zu befestigen und die Tür damit in geöffnetem Zustand festzubinden ist meist nicht praktikabel. Häufig fehlt entweder der zweite Anbindepunkt oder es wird ein kritisches Hindernis geschaffen, durch das bei eingeschränkter Sicht vorgehende oder flüchtende FA stolpern oder sich darin verfangen können. Anmerkungen zu schlossseitig angewendeten Vorrichtungen Grundsätzlich ist es damit nur möglich, eine Tür am zufallen zu hindern. Das Türblatt kann nicht in vollständig geöffneten Zustand arretiert werden, wie es für Lüftungsmaßnahmen erforderlich wäre (vgl. Abb. 3). Ebenso sichern diese Vorrichtungen nicht vor Quetschung oder Beschädigung der Angriffsleitung bei hohem Schließdruck der Tür. Die Anwendungsbrandbreite dieser Vorrichtungen ist folglich sehr eingeschränkt. Eine Gripzange wird in dieser Anwendungsart Schäden an Türblatt verursachen, diese Methode sollte deshalb generell vermieden werden. Vorrichtungen zur Anwendung an der Scharnierseite / Gegenschließkante Grundsatzprobleme von allen Maßnahmen auf der Scharnierseite bzw. Gegenschließkante: - Wenn die Tür zugezogen wird, während der Scharnierspalt blockiert ist, dann werden dadurch über den großen einwirkenden Hebelarm selbst bei geringer Kraftanwendung entweder die Scharniere aus dem Türrahmen gerissen oder (seltener) nur stark verbogen. Im ersteren Fall würde das Türblatt vom Rahmen getrennt, die Tür kann also überhaupt nicht mehr geschlossen werden. Im zweiten Fall lässt sich die Tür zumindest nicht vollständig schließen, da die Hauptschließkante nicht mehr an der zugehörigen Gegenschließkante vorbeigeführt werden kann. - Wenn die Tür (z.B. versehentlich) auch nur etwas weiter aufgedrückt wird fallen die meisten der angebrachten Blockadewerkzeuge i.d.R. heraus und die Tür ist nicht mehr fest gestellt. Nägel oder Schrauben o.ä. Lange Nägel können scharnierseitig zwischen der Nebenschließkante und deren Gegenschließkante eingesetzt werden, um die Tür in geöffneten Zustand festzustellen. Diese Methode ist mit mehreren Nachteilen behaftet: Die Nägel lassen sich mit Handschuhen nur schwierig und unter der Gefährdung der Fingerquetschung einsetzen, die kleinste Bewegung in Öffnungsrichtung lässt den eingesetzten Nagel herabfallen. Bereits moderater Zug in Schließrichtung der Tür macht dem Nagel unwirksam, indem er verbogen oder in den Türrahmen gedrückt wird. Teilweise wird empfohlen, den Nagel mit dem Türblatt als Werkzeug ein Stück in den Rahmen einzudrücken, dies gelingt aber nicht bei Stahlrahmen und erfordert noch mehr feinmotorische Einpassungsarbeiten. Schrauben sind etwas druckstabiler als Nägel, lassen sich aber kaum in Holz eindrücken. Zuletzt sorgt eine recht große Bandbreite an Türspaltbreiten an der Gegenschließkante dafür, dass es kein Universalmaß für die Nagellänge gibt, es muss also „durchprobiert“ werden. Auch wenn diese Methode durch die geringen Abmessungen des Hilfsmittels besticht, ist sie nicht praxistauglich. Wer diese Methode aber unbedingt anwenden möchte, der sollte sein Nagelsortiment zumindest für sich selbst sicher verwahren, indem er die Nagelspitzen in einen Weinkorken steckt. Abb. 4: Die Schraube im Türspalt fällt sofort hinunter, wenn die Tür etwas weiter geöffnet wird. (Foto: Mäschle) Holzklötze / Scharnierhaken Ein sinnvoll dimensionierter Holzklotz kann entweder in Bodenhöhe in den Spalt zwischen Nebenschließkante und Gegenschließkante eingelegt oder z. B. mittels eines in den Klotz eingeschlagenen und zum Haken gebogenen Nagels an eines der Türscharniere gehängt werden. Wiederum gibt es kein Standardmaß für den zu überbrückenden Spalt: Durch eine nur teilweise offengestellte Tür durch einen zu flachen Klotz würde damit z. B. in einem engen Flur eine zusätzliche Barriere geschaffen. Abb. 5: Plättchensatz am Scharniersatz, ähnlich kann ein Klotz bzw. „Klötzchen“ eingesetzt werden. (Foto: Mäschle) Winkeleisen als Scharnierhaken Ebenso wie der Holzklotz kann ein kurzes Stück Winkeleisen mit einem daran befestigten Scharnierhaken in dieser Art genutzt werden. Durch den 90°-Winkel wird meist ein geringer Öffnungsgrad des Türblatts wie oben beschrieben erzielt. Die Nachteile sind identisch mit denen des Holzklotzes im Scharnierspalt. Abb. 6: Winkeleisen/-alu eingehängt auf der Schlossseite verhindert das Zufallen der Tür, die Öffnung ist aber recht klein. (Foto: Brincken, Nils von, Wiesbaden) Von Brincken gibt dazu an: „Wir hatten bei uns die obere Variante von "vententersearch" ausprobiert, nur wesendlich robuster, da dünneres Blech stets einknickte, oder der Haken ausriss. … Wir verwenden einen Winkel aus ca. 4mm dickem Metall mit einem langen Haken. Vorteil: robust. Nachteil: zu schwer, um 3..4 davon mitzunehmen und zu sperrig für die Manteltaschen.“ Abb. 7: Winkeleisen/-alu wie oben verhindert das Zufallen der Tür oder des Fensters, beschädigt aber sehr leicht die Rahmen. (Foto: Brincken, Nils von, Wiesbaden) Abb. 8: Varianten der Anbringung verteilen die Lasten besser, ermöglichen aber nur das komplette Offenstehen im ca. 90°-Winkel. (Foto: Brincken, Nils von, Wiesbaden) Spezielle Produkte und zweckentfremdete Feuerwehrwerkzeuge Universalkeil Eine Produktlösung aus den USA ist ein komplex geformtes Kunststoffteil mit mehreren Funktionen: Das Produkt kann als Keil genutzt, oben in den Scharnierspalt eingesetzt und über ein Türscharnier gehängt werden. Durch die Abmessungen von etwa 9 x 6 x 5 cm ist dieses aber relativ groß und damit schwierig in der Jackentasche zu verstauen. Wenn die Arretierungsmöglichkeiten an der Scharnierseite wegen der o. g. Nachteile nicht betrachtet werden, dann reduziert sich die Produktfunktion wieder auf einen Keil. Beile (ähnlich auch für Feuerwehr-Axt, Halligan-Tool oder andere Angriffswerkzeuge zur Türöffnung) Verschiedene Beile, beginnend beim Standard-Feuerwehrbeil können ebenfalls sowohl mit der Klinge als Türkeil als auch zum Blockieren des Scharnierspaltes oder auf dem Boden zwischen Haupt- und Gegenschließkante abgelegt eingesetzt werden. Damit ist das jeweilige Werkzeug aber für alle anderen Anwendungen (beim Feuerwehrbeil z.B. je nach Ausführung Öffnen von Wandhydranten und Sperrpfosten) verloren. Universalkupplungsschlüssel (vgl. Abb. 1) Eine weitere Produktlösung aus den USA ist ein Kupplungsschlüssel aus Kunststoff, der in der Nebenfunktion auch als (ungünstig steilgeformter) Türkeil oder als Scharnierhaken eingesetzt werden kann. Auch dieses Produkt bietet keine nennenswerten Vorteile gegenüber dem Standardkeil. Abb. 9: Das Prinzip des Scharnierhakens wird mit einem Universalkupplungsschlüssel demonstriert. (Foto: Mäschle) Sonstige Arretierungsmethoden Eine recht banale, aber wirksame Methode ist es, Türen mittels einer vor das geöffnete Türblatt gestellte Masse zu blockieren. Häufig verfügbar sind beispielsweise in der Nähe hängende Feuerlöscher. Diese Methode bietet den Vorteil, absenkende Dichtleisten nicht zu beschädigen. Anwenden baulich vorhandener Vorrichtungen an Türen Mechanische Türfeststeller Hauseingangstüren und Durchgangstüren sind häufig an der Innenseite mit einer Feststelleinrichtung ausgestattet. Zu diesen Zwecken werden meist absenkbare Gummifüße oder Fanghaken, Permanentmagnethalterungen oder kurze Ketten, die über die Türklinke gehakt werden können eingesetzt. Einige neuere Haustüren bieten auch eine von außen nicht zu erkennende Selbsthaltefunktion, wenn die Tür sanft in den Öffnungsendanschlag gedrückt wird. Sofern diese Vorrichtungen für den vorgesehenen Zweck geeignet und ausreichend stabil ausgelegt sind ist es sinnvoll, sie zu nutzen. Achten Sie darauf, dass bei großer Beaufschlagung mit Wärme oder gar Hitze Gummistopper o.ä. nicht sicher sind. Abb. 10: Türfeststeller. (Foto: Mäschle) Überwachte Feststelleinrichtungen Durchgangstüren mit Brandschutz- oder Rauchschutzfunktion werden im öffentlichen und gewerblichen Bereich oft mit zugelassenen Feststelleinrichtungen ausgestattet. Die Türen schließen automatisch bei Detektion von Brandrauch, Stromausfall und ggf. auch über einen Schließimpuls durch eine festinstallierte Brandmeldeanlage. Eine solche Tür kann im Brandeinsatz folglich jederzeit zufallen. Jede geöffnet vorgefundene Tür mit überwachter Feststelleinrichtung, die geöffnet bleiben soll muss deshalb zusätzlich gesichert werden. In aller Regel ist die Schließkraft dieser Türen auf 150 N (ca. 15 kg) begrenzt, so dass vorgenommene gefüllte Angriffsleitungen nicht abgedrückt werden. Leere Angriffsleitungen können aber natürlich (z.B. unter dem Türblatt) mit allen Folgen durch das Schließen leicht eingeklemmt werden. Brandschutztore Brandschutztore können in der Art eines „Eisernen Vorhangs“ von oben oder wie eine Schiebetor seitlich schließen. Während die seitlich schließenden Ausführungen meist leicht aufgeschoben werden können, um sich selbst einen Rückzugsweg zu schaffen sind die nach oben öffnenden Ausführungen je nach Flügelgewicht und Bauform kaum mehr schnell und ohne detaillierte Kenntnisse der jeweiligen Ausführung zu öffnen. Wenn ein Rückzugsweg durch ein solches Tor gesichert werden muss, dann ist es in aller Regel die sicherste Methode eine ausreichend hohes (ca. 1 m für Atemschutzgeräteträger) und stabiles Hindernis in Schließbereich an mindestens einer Seite des Tores aufzustellen. Eine mit dem Kopf nach unten und mit dem Stiel im die Laufscheine gestellte Feuerwehraxt – oder für diesen Zweck ähnlich geeignetes Werkzeug wie Spalthammer oder Halligan - ist als Sicherung in aller Regel ausreichend. Wenn neben einem automatisch schließenden Feuerschutztor eine Schlupftür vorhanden ist, dann sollte grundsätzlich diese Tür als Zugang gewählt werden. Zusammenfassung Aus den vorgenannten Betrachtungen ergeben sich die folgenden Schlussfolgerungen: 1. Bauliche Einrichtungen zum arretieren können nicht vorausgesetzt werden, deshalb müssen im Brandeinsatz vorgehenden FA über entsprechende Möglichkeiten verfügen. 2. Alle Vorrichtungen, die zur Anwendung an der Scharnierseite vorgesehen sind bergen die Gefahr in sich, die Schließfunktion der Tür zu zerstören, wenn die Tür bei eingesetzter Vorrichtung zugezogen wird und sollten deshalb nicht angewendet werden. 3. Werkzeuge die man ggf. noch z.B. zum Türöffnen im Innenangriff oder für andere Zwecke benötigt sollten nicht aufgegeben werden, indem sie zum Offenhalten von Türen eingesetzt werden. 4. Als geeignete und wirtschaftliche Lösung sind deshalb nach wie vor 2 - 3 sinnvoll dimensionierte Holzkeile pro FA das Mittel der Wahl, da diese zuverlässig, leicht mitzuführen und preiswert sind. Zum Abschluß sei die Frage nach der Zulässigkeit von brennbaren Ausrüstungsgegenständen (Holzkeil!) kurz diskutiert: - Auch für andere wichtige Ausrüstungsgegenstände (z.B. Feuerwehrleine, Seilschlauchhalter, Kennzeichnungsmaterial, Funkgerät, Notsignalgeber etc.) gibt es keine brandschutztechnischen Anforderungen! Insbesondere Funkgeräte oder die Kabel zu Hörsprechgarnituren sind grundsätzlich brennbar. - Mitgeführte Ausrüstung darf schon aus Gründen des gesunden Menschenverstandens (GMV) nicht leicht entflammbar sein. (Hart-)Holzkeile sind das nicht. - Grundsätzlich brennbare Ausrüstung (wie z.B. ein FuG oder eine Leine) kann problemlos in geeigneten (z.B. schwer entflammbaren) Taschen z.B. der Überjacke oder Zusatztaschen sicher untergebracht werden. Abb. 11.a und b: „Türtasche“ der Feuerwehr Düsseldorf (daneben gibt es an immer gleichen Stellen an jedem PA auf Einsatzfahrzeugen noch ein Scherenholster sowie eine Tasche für eine Bandschlinge). Aussen Holzkeile, gesichert – auch mit Handschuhen leicht entnehmbar; innen Material zur Kennzeichnung durchsuchter Räume. – Prinzipiell (mit mehreren Modifikationen) seit mehr als 10 Jahren in Anwendung bei der Feuerwehr Düsseldorf, so oder so ähnlich übernommen von vielen Feuerwehren. Seit Einführung keinen einzigen Fall mit Problemen dadurch (z.B. Entzündung des Holzes) im Innenangriff, dafür große Akzeptanz bei den Einsatzkräften. (Foto: Cimolino) Zitat eines langjährigen Heißausbilders der Feuerwehr Düsseldorf: „Brennt der Holzkeil hat der entsprechende Feuerwehrmann ein ganz anderes Problem….!“ Abb. 12 und 13: Neben Werkzeugen zur Türfeststellung benötigt ein Angriffstrupp zusätzlich zu seiner Standardausrüstung wie Atemschutzgerät, Schläuchen, Feuerwehrleine, Wärmebildkamera, FuG usw. auch Material zur Kennzeichnung durchsuchter Räume und zum Festbinden von Schläuchen. Dies wird umso wichtiger, je größer die Objekte sind und je langwieriger der Einsatz wird! Alles mitgeführte Material sollte daher ergonomisch verteilt sein, damit es im Bedarfsfall schnell erreicht werden kann! (Die Fotos 10 und 11 stammen aus einem Feuer morgens gegen 04:30 h in einem mehrgeschossigen Altbau mit brennendem Treppenraum und Dachstuhl. 17 Personen konnten erfolgreich gerettet werden.) (Fotos: Cimolino) Verfasser: Josef Mäschle Dipl.-Ing. Sicherheitstechnik Freiwillige Feuerwehr Bad Urach Ulrich Cimolino Dipl.-Ing. Sicherheitstechnik Branddirektor Abteilungsleiter Technik, Feuerwehr Düsseldorf Literaturhinweise: Cimolino, Ulrich (Hrsg.): Atemschutz, ecomed, Landsberg, 1999 – 2004 Cimolino, Ulrich: Zubehör an PSA, Aufsätze und Vorträge zum Thema seit ca. 10 Jahren, zuletzt „Brennpunkt“, Vortragsreihe zur Sicherheitstechnik, Universität Wuppertal, 2009; vfdb, JFT 2009, Mannheim Mäschle, Josef: Studienarbeit zum Gewaltsamen Zutritt, Bergische Universität Wuppertal, Fachbereich Sicherheitstechnik, 2001 Reick, Dr. Jürgen: Mobiler Rauchverschluß, Rotes Heft 212, Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 2006 ----- mit privaten und kommunikativen Grüßen Cimolino | ||||
| << [Master] | antworten | |||
| flache Ansicht | Beitrag merken | alle Beiträge als gelesen markieren | ||
| ||||
|