| News | Newsletter | Einsätze | Feuerwehr-Markt | Fahrzeug-Markt | Fahrzeuge | Industrie-News | BOS-Firmen | TV-Tipps | Job-Börse |
| Rubrik | Einsatz | zurück | ||
| Thema | Feuerwehrauto bei Einsatz verunglückt | 29 Beiträge | ||
| Autor | Andr8e K8., Nienburg / Niedersachsen | 421929 | ||
| Datum | 19.08.2007 00:53 MSG-Nr: [ 421929 ] | 6930 x gelesen | ||
| Infos: | ||||
Ein Fahrsicherheitstraining ist uneingeschränkt empfehlenswert. Erst dort lernt man den Grenzbereich richtig einzuschätzen, denn im öffentlichen Strassenverkehr kann man sowas schlicht und ergreifend nicht lernen. Gerät man dort in den Grenzbereich hinein, so ist es zu spät. Ich hatte das Glück, bereits sieben Mal ein Fahrsicherheitstraining für Nutzfahrzeuge absolvieren zu können. Während meines Studiums fuhr ich nebenbei 40-Tonner und finanzierte mir so das Studium, nach dem Studium fuhr ich dann noch zwei Jahre in Vollzeit und bin so insgesamt Kilometermillionär auf schweren LKWs. Mein damaliger Arbeitgeber war sehr auf Sicherheit bedacht und schickte jeden einzelnen (!) Fahrer mindestens einmal im Jahr zum Sicherheitstraining, manchmal sogar zweimal im Jahr, wenn sich die Gelegenheit ergab. Die Schulung wurde von Mercedes Benz abgehalten und dauerte immer entweder einen oder zwei Tage (letzteres, wenn gleichzeitig ein Eco-Training stattfand). Obwohl ich schon einiges an Erfahrung hatte, habe ich erst während dieser Fahrsicherheitstrainings gelernt, wie niedrig der Grenzbereich eines schweren Nutzfahrzeugs ist, wie schnell man dort hineingerät und vor allem - wie schnell es zu spät ist und man nichts mehr retten kann. In diesem Zusammenhang war insbesondere ein umgebauter Tankzug ein echter Augenöffner. Am Tankauflieger waren riesige Stützräder verbaut, sodass nichts passieren konnte. Dann wurden mit verschiedenen Geschwindigkeiten, Kurvenradien und Tankfüllständen Kurven durchfahren. Ich war bei den ersten paar Malen regelrecht geschockt, wie schnell man die Kiste auf die Seite gelegt hat. Und vor allem war ich darüber geschockt, wie unglaublich schnell das passiert (d.h. wie schnell man den Grenzbereich überschritten hat) und das man es vorher überhaupt nicht bemerkt hat. In dem einen Moment fuhr man noch normal in die Kurve, im nächsten lag der Zug auf der Seite. Einfach so, ohne Warnzeichen, ohne alles. Ein einziges km/h zu viel, und schon war man vollkommen machtlos. Das gibt einem schon zu denken. Ich selber habe aus diesen Trainings sehr viel mitgenommen. Das wichtigste Ausbildungsziel war es immer, den Grenzbereich zu kennen und zu vermeiden. Es wurde nicht gelehrt, wie man die Situation rettet, wenn man den Grenzbereich bereits überschritten hat, sondern es wurde gelehrt, wie man erst gar nicht in den Grenzbereich hineinkommt. An diesem einen Punkt unterscheidet sich der gute von dem sehr guten Fahrer. Der sehr gute lässt es erst gar nicht drauf ankommen, weil er weiss, dass er in zehn von zehn Fällen der Verlierer ist. Physik lässt sich halt nicht überlisten. Meinen Fahrstil haben diese Trainings entscheidend geprägt, und ich kann stolz sagen, noch nicht einen einzigen Unfall mit einem LKW oder Einsatzfahrzeug gehabt zu haben. Die Kehrseite der Medaille ist, dass ich oftmals mit Vorurteilen zu kämpfen habe. In meiner jetzigen Feuerwehr durfte ich mir z.B. schonmal anhören, dass wir nicht auf einer Kaffeefahrt seien und dass ich nicht so um die Kurven schleichen soll. Das kam von einem Berufskraftfahrer... Ein anderer Kamerad, welchen ich menschlich und als Feuerwehrkamerad sehr schätze, fährt einen solch heissen Reifen, dass es meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit ist, bis er ein Fahrzeug auf die Seite legt. Darauf angesprochen bekomme ich aber nur zu hören, dass ich keine Ahnung habe und als Neuling (bin seit einem halben Jahr in dieser Wehr, seit 1984 insgesamt bei der Feuerwehr) mal lieber den Ball flach halten solle (wobei diese Worte nicht von ihm kamen, muss ich fairerweise hinzufügen). Sowas ist dann schon frustrierend, zumal eine solche Fahrweise von vielen anderen auch noch als "cool" angesehen wird und man der Meinung ist, dieser Kamerad sei ein ausgezeichneter Kraftfahrer. Dass man mit dieser Fahrweise ein absurd hohes Risiko eingeht und gleichzeitig nur einige wenige Sekunden spart (wenn überhaupt), interessiert keinen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ein Fahrsicherheitstraining ist ausgesprochen wichtig und sinnvoll. Auch und insbesondere Kameraden, welche schon seit vielen Jahren Einsatzfahrten durchführen, sollten sich einem solchen Training unterziehen. Es ist wirklich unglaublich, wie sehr einem dabei die Augen geöffnet werden, und wie sehr man sich plötzlich erschrickt wenn einem bewusst wird, welche Risiken man in der Vergangenheit eingegangen ist, ohne sich dessen wirklich bewusst gewesen zu sein. | ||||
| << [Master] | antworten | >> | ||
| flache Ansicht | Beitrag merken | alle Beiträge als gelesen markieren | ||
| ||||
|